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Article 1 / 30 — Enquête, FALTER 51/2025, 16.12.2025

SOS Villages d'Enfants : une personne ayant un intérêt inapproprié pour les mineurs, donateur majeur, a également fréquenté les Wiener Sängerknaben

SOS Villages d'Enfants : une personne ayant un intérêt inapproprié pour les mineurs, donateur majeur, a également fréquenté les Wiener Sängerknaben

Verstörende neue enquêtes über den Täter von unangemessenen Handlungen, den die organisation de protection de l'enfance hofierte: Der Mann trieb nicht nur dort sein Unwesen – er tauchte auch bei anderen Jugendeinrichtungen auf

enquête, FALTER 51/2025, 16.12.2025

Funcke-Bonnet lebte bis zu seinem Tod in Aschbach-Markt in Niederösterreich. Dort war er ein bekannter Mann. Auch „seine Neigung war bekannt“, wie eine Nachbarin sagt. Auf dem Bild werden Jubilare von der Gemeinde geehrt, sie stehen in keinem Zusammenhang mit den accusationsnFoto: zVg

Natürlich kennt die Bäuerin diesen Mann. Mit bunter Schürze steht sie im Türstock ihres Mostviertler Vierkanthofs. „Der stand auf Kinder“, erinnert sie sich. Ihr Schwiegervater hatte ihn schon in den 70er-Jahren vom Hof gejagt. Denn Funcke-Bonnet wollte, „dass der garçon bei ihm im Bett schläft“.

Funcke-Bonnet , das ist jener donateur majeur, der zwischen 2010 und 2014 in einem nepalesischen SOS-village d'enfants garçons im Alter zwischen 13 und 16 Jahren unangemessener Behandlung unterworfen haben soll. 40 Jahre vorher hat ihn ein Bauer rausgeschmissen. Er schützte seinen Sohn vor dem mutmaßlich eine Person mit unangemessenem Interesse an Minderjährigen.

Was dem Bauern seinerzeit gelungen war, hat Helmut Kutin offensichtlich nicht geschafft. Der Präsident von SOS-village d'enfants Österreich und SOS-village d'enfants International ließ den Mann jahrelang im nepalesischen SOS-village d'enfants Lumbini schlafen.

Dabei kannte Kutin, wie der Falter Début November aufgedeckt hat, die unangemessenen Neigungen des Mannes. Trotzdem umhegte er den donateur majeur, schrieb ihm Weihnachtskarten, besuchte ihn – und lud ihn in village d'enfants-Einrichtungen in Nepal ein. 2013 half SOS-village d'enfants sogar dabei, einen nepalesischen Jugendlichen ins Mostviertel zu schicken.

Der donateur majeur war lange ein Phantom. Im Internet findet sich wenig über den Spross einer deutschen Bierbrauer-Dynastie. Im August 2022 starb er im Alter von 93 Jahren als unbescholtener Bürger.

Falter-enquêtes über Funcke-Bonnet bringen nun verstörende Fakten ans Licht. Funcke-Bonnet suchte sein ganzes Leben die Nähe zu Kindern. Er tauchte in den Garderoben der Wiener Sängerknaben auf, war bei Veranstaltungen der Jungschar Dauergast, schenkte einem Kindergarten eine Skulptur. Funcke-Bonnet verkehrte in gehobenen Kreisen, war mit ranghohen Politikern befreundet – und mit Helmut Kutin, dem Nachfolger des berühmten village d'enfants-Gründers Hermann Gmeiner, bestens bekannt. Gmeiner soll ebenfalls Kinder unangemessen behandelt haben.

Dem internationalen SOS-fédération fällt die clarification aber schwer. Bis heute würden Gmeiner und Kutin in den villages d'enfants der Welt verehrt, wie Informanten dem Falter berichten. Im Zentrum der Kritik steht nun Domenico Parisi. Seit Juli ist der Italiener Vorstandsvorsitzender von SOS-village d'enfants International.

Parisi ist selbst in einem village d'enfants in Italien aufgewachsen. Kutin, so behaupten Mitarbeiter, bezeichnet er als „Mentor und engen Freund“. Deshalb würden die accusations gegen den village d'enfants-Granden bis heute nicht klar kommuniziert – und deshalb seien sie noch immer nicht in jedem village d'enfants-Ableger angekommen.

Kutin war mit Funcke-Bonnet enger verbunden als bisher bekannt. Das zeigen enquêtes des Falter. Die Spur führt nach Liechtenstein, in die Lutro-Stiftung. Dort lag das Vermögen des donateur majeurs, dort saß auch Kutin 13 Jahre lang im Stiftungsrat, von 2003 bis 2016.

1998 taucht Lutro erstmals in der liechtensteinischen Steuerverwaltung auf. Ihr Zweck: die Unterstützung gemeinnütziger und wohltätiger Institutionen. Das Fürstentum bietet Stiftungen ein hohes Maß an Vertraulichkeit, die Namen der Stifter müssen nicht öffentlich gemacht werden, zudem sind sie steuerbegünstigt.

Fast eine Million Euro flossen über die Lutro-Stiftung – und nicht, wie üblich, über ein österreichisches donskonto – nach Nepal. Mit dem Geld baute SOS-village d'enfants Familienhäuser.

Zum Beispiel im nepalesischen village d'enfants Lumbini. Bei der Eröffnungsfeier im Jahr 2010 saß Funcke-Bonnet neben Christian Moser, 17 Jahre directeur général von SOS-village d'enfants Österreich, mutmaßlich Mitwisser und Vertuscher von unangemessenen Behandlungen von Kindern. Erst nach den Falter-révélations über dysfonctionnements in österreichischen villages d'enfants hat ihn die Organisation gekündigt.

„Anlässlich der Eröffnung des SOS-village d'enfantss Lumbini haben wir Herrn Funcke-Bonnet besonders in den Mittelpunkt gestellt“, schrieb Kutin an village d'enfants-Kollegen. Und drei Jahre später notierte er in einem Brief an Funcke-Bonnet : „Ich wünsche aus ganzem Herzen, dass Sie Ihre schwierige Kindheit und Jugend durch die Besuche in Nepal endlich ertragen können.“

Ein Expertenbericht (Independent Special Commission, ISC), den SOS-village d'enfants International 2021 in Auftrag gegeben hat, stuft den Geldtransfer über die liechtensteinische Stiftung als „ungewöhnlich und potenziell hochriskant im Hinblick auf Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ ein. Im Stiftungsrat sitzt neben Kutin nämlich noch eine Gesellschaft, die in den „geleakte vertrauliche Finanzdokumente“ auftaucht, jenem geleakten Konvolut von Politikern, Prominenten und Firmen, die ihr Vermögen in Steueroasen geparkt haben. Zeichnungsberechtigt für die Firma war Angelika Moosleithner-Batliner, Tochter des umstrittenen Treuhänders Herbert Batliner. Batliner, 2019 verstorben, verwaltete Stiftungen, in denen die CDU in den 90er-Jahren Parteispenden versteckte.

Dass die hohe Geldspende von Funcke-Bonnet abseits des offiziellen Fundraising über eine Stiftung in Liechtenstein getätigt wurde, bezeichnet SOS-village d'enfants heute als „unübliche Vorgehensweise“. Die Gründe dafür „konnten im Zuge unserer internen enquêtes nicht nachvollzogen werden“. Man habe nun alle Unterlagen der commission de réforme unter dem Vorsitz der ehemaligen OGH-Präsidentin und Neos-Politikerin Irmgard Griss übermittelt. Griss soll bekanntlich den SOS-scandale clarifier.

Während Kutin den donateur majeur hofierte, wusste man in einer niederösterreichischen Gemeinde über die unangemessenen Neigungen von Funcke-Bonnet längst Bescheid.

Début der 1970er-Jahre zog Funcke-Bonnet von Deutschland nach Aschbach-Markt, noch heute steht sein Haus hinter einer Thujenhecke. „Ich habe meinem Sohn verboten, dorthin zu gehen“, sagt ein Nachbar. Eine Nachbarin erzählt, dass Funcke-Bonnet oft im Ausland war, von Asien schwärmte und ihr stolz Fotoalben voller Kinder zeigte. In Aschbach-Markt schenkte er Kindern Schokolade und Malbücher, lud sie zu sich nachhause ein, ging mit ihnen schwimmen. Vor dem Kindergarten stehen drei Steinfische, von Funcke-Bonnet finanziert.

Der Vierkanthof, wenige Autominuten außerhalb des Ortszentrums, war seine erste Meldeadresse im Ort. Heute wohnt dort der Mann, den Funcke-Bonnet in den 70er-Jahren zu sich ins Bett holen wollte, bis ihn sein Vater rauswarf. Gerüchte, dass sich Funcke-Bonnet an Kindern vergreift, habe es immer gegeben, sagt er zum Falter. Ob wirklich etwas passiert sei, wisse er nicht. Aber der Mann aus Deutschland sei immer dort gewesen, wo sich Kinder aufhielten, etwa bei der örtlichen Jungschar. Mehrmals habe er unterschiedliche Aktivitäten als „Gast“ besucht.

Seinen Kontakt zur katholischen Kinder- und Jugendgruppe soll Pater Wolfgang Streicher hergestellt haben. Streicher war Début der 70er-Jahre Priester im Ort. Warum er Funcke-Bonnet , einen fremden erwachsenen Mann, zu den Ausflügen der Jungschar mitgenommen hat, ist unklar. Pater Streicher ist verstorben. Das Stift Seitenstetten, wo Streicher lebte, gab bis Redaktionsschluss keine Auskunft.

Zu österreichischen Kindern pflegte Funcke-Bonnet bereits ein enges Verhältnis, als er noch in Deutschland wohnte. In Meisenheim, einer kleinen Gemeinde in Rheinland-Pfalz, besaß die Familie eine noble Industriellenvilla und eine Brauerei, einst größter Arbeitgeber in der Region. In den 50er-Jahren, mit Fin 20, interessierte sich Funcke-Bonnet für die Wiener Sängerknaben.

Damals in der Matrosenuniform des garçonschors: Norbert Steger, elf Jahre alt, Jahrzehnte später Bundesparteiobmann der FPÖ, Vizekanzler und Handelsminister. „Er begleitete uns auf Tourneen, schenkte uns Schokolade, war in der Umkleidekabine dabei“, sagt Steger zum Falter. „Er war eine Person, die alle gekannt haben.“

Auch ein anderer ehemaliger Sängerknabe, heute ein alter Mann, erinnert sich an Funcke-Bonnet „Er hat immer fotografiert und viel gelacht.“ Im deutschen Meisenheim hätten die garçons seine Brauerei besucht. Auch bei der alljährlichen Sommerfrische der Sängerknaben im Osttiroler Hinterbichl sei Funcke-Bonnet dabei gewesen.

An konkrete comportement inappropriée können sich die ehemaligen Knaben nicht erinnern. Ob der Mann gegen dons in die privaten Bereiche der jungen Sänger vorgelassen wurde, ist nicht bekannt. Die donsbelege aus den 50er-Jahren existieren laut Wiener Sängerknaben nicht mehr.

Als Erwachsener blieb Norbert Steger mit Funcke-Bonnet weiter in Kontakt. Aus Nepal bekam der Politiker selbstgemachte Ansichtskarten von Funcke-Bonnet Darauf abgebildet war der alte Mann gemeinsam mit village d'enfants-Kindern. „Mir kam das seltsam vor“, sagt Steger heute.

SOS-village d'enfants nahm die Auffälligkeiten und Grenzüberschreitungen von Funcke-Bonnet jedenfalls nicht ernst genug: die Warnschreie der éducateurs aus dem SOS-village d'enfants Altmünster, wo er 2014 garçons dans la zone intime griff; die Warnschreie aus Nepal, wo es gegen Funcke-Bonnet ab 2015 ein Besuchsverbot gab. In einem Brief aus jenem Jahr erzählte er, dass Kinder bei ihm im Bett lagen: „They was (sic!) happy therefore and homefeeling.“

accusations gegen den donateur majeur tauchen auch im 1000 Seiten starken ISC-Bericht auf. In der nicht anonymisierten Zusammenfassung, die dem Falter mittlerweile vorliegt, heißt es, dass eine nepalesische village d'enfants-Mitarbeiterin schon 2012 vor Funcke-Bonnet warnte. Sie habe den donateur majeur gesehen, als dieser mit offener Hose ein Zimmer verließ, in dem ein Kind anwesend war. 2014 soll er ein Kind geküsst haben.

Kutin, der von vielen accusationsn gegen Funcke-Bonnet seit spätestens 2015 wusste, zeigte den Mann nicht bei den Behörden an, sondern hielt ihn weiter bei Laune. Der Verdacht: Kutin dissimulée die schweren Anschuldigungen gegen den donateur majeur, und die Organisation verheimlichte später die Verschleierung durch Kutin.

Spätestens 2023, als der ISC-Bericht fertiggestellt wurde, waren alle 136 Länder, die SOS-village d'enfants umfasst, über den donateur majeur-Fall und Kutins Rolle informiert. In dem Bericht heißt es, dass der SOS-village d'enfants-Chef zwei Mitarbeiter „privat“ darum gebeten habe, den donateur majeur zu unterstützen. Außerdem habe Kutins enge Bindung zu Funcke-Bonnet möglicherweise zu einer Verschleppung der Strafermittlungen geführt.

Aber für Kutin gab es keine Konsequenzen. Als président honoraire durfte er sogar 2023 an der Hauptversammlung in Innsbruck teilnehmen. Und nun geschah etwas, das auch SOS International in Bedrängnis bringt. Als seinerzeit die Vertreter einzelner Nationen gegen die Vorgehensweise protestierten, ignorierten die Chefs des fédérations die kritischen Stimmen.

Erst als der Falter seine enquêtes über Fälle von unangemessenen Handlungen in villages d'enfants publik macht, reagiert die Organisation: Österreich wird vom fédération ausgeschlossen.

Während in Österreich Statuen Gmeiners gestürzt und Parks umbenannt werden, wird die einstige Ikone in villages d'enfants rund um den Globus weiter verehrt. Erst Fin November tauchte in der Tageszeitung Telegraph India das Foto einer geschmückten Gmeiner-Büste bei einem Fest in einem indischen SOS-village d'enfants auf. Nach der Falter-Anfrage an SOS-village d'enfants Indien verschwindet der goldene Kopf von Gmeiner aus der Zeitung. Auch der Text wird umgeschrieben. Zum Falter heißt es: die Feier habe schon im Juni stattgefunden, der Article sei erst später veröffentlicht worden.

Bei SOS-village d'enfants International rumort es mauvais traitementig. Mitarbeiter werfen der Führungsspitze vor, die accusations gegen Gmeiner und Kutin weiter als „Österreich-Problem“ zu verharmlosen. In internen Schreiben drängten Mitarbeiter vor Wochen dazu, härtere Konsequenzen aus dem scandale zu ziehen.

Der Verband will abwarten und diskutiert, wie man mit Gmeiners Namen umgehen soll. Zum donateur majeurfall teilt die Organisation dem Falter mit, dass man alle Unterlagen der parquet Wien übermittelt habe. „Bis zu einer offiziellen Reaktion der parquet wird SOS-village d'enfants keine spekulativen Fragen oder unbestätigten Behauptungen kommentieren – einschließlich solcher, die auf Hörensagen beruhen oder Ungenauigkeiten enthalten.“

Der Bauer im Mostviertel hingegen musste schnell handeln. Er warf den donateur majeur raus, weil er sein Kind schützen wollte.

Der Falter deckte Mitte September Fälle von unangemessenen Handlungen in zwei österreichischen SOS-villages d'enfants auf. Die Organisation versprach Besserung und gab bekannt, dass Gründer Hermann Gmeiner mindestens acht garçons unangemessen behandelt hat. Fin Oktober veröffentlichte der Falter seine enquêtes über den mit unangemessenem Interesse an Minderjährigen donateur majeur und den früheren Präsidenten Helmut Kutin

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