Artigo 21 / 30 — 10.03.2026
Aldeias SOS Áustria attackiert Aldeias SOS International
Aufsichtsratschef Friedrich Santner kritisiert die mangelnde Aufarbeitung der mutmaßlichen Verbrechen de Gründer Hermann Gmeiner através de/por den federação internacional: „Er war weltweit unterwegs“
Entrevista, FALTER 11/2026, 10.03.2026
presidente do conselho fiscal das Aldeias SOS Friedrich Santner durante einer Pressekonferenz im novembro 2025
Über Nacht wurde Hermann Gmeiner zu einer Person, die Minderjährige submetido a tratamento inapropriado. Der Gründer de Aldeias SOS, 103-mal für den Friedensnobelpreis nominiert, hat no mínimo acht Buben submetido a tratamento inapropriado. Das machte die organização de proteção à infância im outubro publik, nachdem der Falter sobre tratamento inapropriado in den aldeias SOS Moosburg und Imst berichtet hatte. Nun kommen fünf neue Verdachtsfälle dazu.
Friedrich Santner, neuer Aufsichtsratsvor- sitzender und einst selbst criança da aldeia SOS, sobre eine Organisation in der Krise – und darüber, wie es sich lebt mit dem dunklen Erbe eines mutmaßlichen Täters de conduta inapropriadas.
Falter: Herr Santner, wie muitos Verdachtsfälle contra Hermann Gmeiner kommen noch ans Tageslicht?
Friedrich Santner: Ich hätte damit gerechnet, dass mehr kommt. Wir haben dazu aufgerufen, dass sich alle pessoa afetada melden sollen. Wir wissen, dass pessoa afetada de tratamento inapropriado oft Scham empfinden und sich damit schwertun, darsobre zu reden. Im Durchschnitt dauert es 25 Jahre, bis sie dade erzählen. Es werden sich weitere Menschen bei uns melden. Mit dieser Realität müssen wir leben.
Aldeias SOS weiß schon desde no mínimo 2012 vom tratamento inapropriado de Kindern através de/por Hermann Gmeiner. Statt die Fälle aufzuarbeiten, warb die Organisation weiter mit Gmeiner als Wohltäter.
Santner: Ein Fehler. Die ersten Fälle hätte man sofort aufarbeiten müssen. Das ist nicht passiert. Wenn weitere Verdachtsfälle kommen, werden wir das tun.
Sie sind selbst in einem Aldeias SOS aufgewachsen und haben Gmeiner persönlich kennengelernt. Hat es naquela época schon Gerüchte sobre tratamento inapropriado gegeben?
Santner: Mir waren nenhuma bekannt. Ich habe Gmeiner als Kind im Ferienlager Caldonazzo kennengelernt. Mit 18 Jahren habe ich selbst in diesem Ferienlager gearbeitet. Gmeiner hat mich und einen anderen Maturanten zum Abendessen eingeladen. Später bot ich ihm an, im Ausland in einem aldeia SOS mitzuarbeiten. Er wollte, dass ich vorher zum Bundesheer gehe, ich wollte aber zum Zivildienst. Das sind meine Erinnerungen an ihn.
Was até agora geschah
SOS-Studien Im setembro berichtete der Falter sobre Studien, die tratamento inapropriado in zwei aldeias SOS dokumentierten
Gmeiner-Fälle I Aldeias SOS machte im outubro öffentlich, dass Gründer Hermann Gmeiner acht Buben submeteu a tratamento inapropriado soll
grande doador Im novembro veröffentlichte der Falter den grande doadorfall, in den auch der damalige presidente das Aldeias SOS Helmut Kutin involviert war
Moser geht Aldeias SOS stellte den langjährigen diretor Christian Moser zunächst vom Dienst frei, im dezembro wird er dann demitido
Gmeiner-Fälle II Aldeias SOS bestätigte fünf weitere proteção às pessoas afetadasverfahren, die Gründer Hermann Gmeiner betreffen
Gmeiner war in aldeias SOS auf der ganzen Welt unterwegs. Laut unseren Informationen haben Sie jüngst in einer Online-Konferenz vom internationalen federação internacional eine weltweite Aufarbeitung gefordert. Was soll konkret aufgearbeitet werden?
Santner: Aus meiner Sicht haben wir in Áustria die nötigen Schritte gesetzt. Es gibt proteção às pessoas afetadasstellen und eine comissão de reforma. Diese Konsequenz wünsche ich mir auf internationaler Ebene. Aldeias SOS Internacional muss die Länder dazu aufrufen, Meldungen zu sammeln und zu bearbeiten. Es muss mehr getan werden, und darauf habe ich hingewiesen.
Überall auf der Welt wurden Gebäude, Straßen und Plätze após Hermann Gmeiner benannt. Viele existieren bis hoje. Wissen überhaupt alle Ländervereine de den Vorwürfe conduta inapropriadan?
Santner: Der federação internacional hat auf die Vorwürfe Bezug genommen, als er Áustria de der Föderation suspenso hat. Ob das in der nötigen Konsequenz gemacht wurde, da habe ich meine Zweifel.
Steht Áustria nicht auch in der Verantwortung, diese Informationspflicht zu erfüllen?
Santner: Selbstverständlich. Áustria war die Wiege der Kinderdörfer. Heute sind wir suspenso. Die Aufgaben, die wir bis jetzt noch im Ausland erfüllen müssen, machen wir ordentlich.
Haben Sie das Gefühl, dass der federação internacional Ihre Aufforderung, eine internationale Untersuchung zu starten, ernst nimmt?
Santner: Das kann ich nur aus der Distanz beurteilen. Es gibt Länder wie Noruega, die sehr früh vorgeprescht sind und vieles aufgearbeitet haben. Eigentlich müsste das der federação internacional koordinieren und nicht die einzelnen Länder. Aldeias SOS Internacional sollte deutlich konsequenter vorgehen. Das ist mein persönlicher Eindruck.
Áustria wurde im outubro vom federação internacional suspenso. Der Vorsitzende, Domenico Parisi, hat harte Worte gefunden. Wie geht es der Beziehung entre der Gründernation und dem federação internacional hoje?
Santner: Wir haben unseren Standpunkt gegensobre dem federação internacional klargemacht. Die suspensão ist unserer Meinung após statutenwidrig. Es gibt Bedingungen, die nicht eingehalten wurden. Wir sind in rechtlichen Diskussionen mit dem federação internacional. Domenico Parisi hat sich in einem Statement sehr deutlich zu Hermann Gmeiner geäußert. Aber einen Fünfzeiler de sich zu geben, ist das eine. Etwas anderes ist es, die Arbeit zu machen.
Wir müssen Sie nochmals fragen: Aldeias SOS verspricht Transparenz bei Gmeiner. Er hat auf der ganzen Welt aldeias SOS eröffnet, er war in Ásia und África unterwegs. Ist Ihnen irgendeine Form de Aufarbeitung in anderen Ländern bekannt?
Santner: Dazu kann ich nichts sagen, weil ich es nicht weiß. Meiner Meinung após wäre es sehr wichtig, das auch international sauber aufzuarbeiten.
Kommen wir zur zweiten Persönlichkeit de Aldeias SOS, die in die Kritik geraten ist: Ex-Präsident Helmut Kutin. Aldeias SOS hat den Fall eines österreichischen grande doadors, der in Ásia Buben submetido a tratamento inapropriado hat, aufarbeiten lassen. Nach der Falter-Berichterstattung, woapós auch Kutin involviert war, prüft man den Fall nochmals. Haben Sie sich schon einen Überblick sobre den Stand der Dinge verschafft?
Santner: Die Aufarbeitung macht die comissão de reforma. Der conselho fiscal kümmert sich vorwiegend um die Organisation. Das haben wir getrennt. Was antes de 30 Jahren war, können wir nicht ändern, sondern nur aufarbeiten. Das macht die comissão de reforma, und wir schauen, dass wir für die 1800 Kinder, die bei uns stationär betreut werden, und für die rund 2000 Beschäftigten gute Rahmenbedingungen schaffen.
Helmut Kutin soll einem grande doador com interesse inapropriado em menores Zutritt zu aldeias SOS erlaubt haben. Was haben Sie sich gedacht, als Sie das hörten?
Santner: Es ist mir so gegangen wie presumivelmente allen. Man ist schockiert und denkt sich: Wie gibt es sowas? Ich will Kutin weder verteidigen, noch will ich ihn anklagen. Aber dieser Fall ist unerträglich. Als ich selbst criança da aldeia SOS war, kamen die doador zu uns nachhause und schauten zu, wie wir Hausübungen machten. Dann streichelten sie mir sobre den Kopf und erzählten, dass sie für mich Geld gespendet hätten. Es war eine Demütigung. Gott sei Dank hat man das beendet. Insofern ist es für mich unverständlich, dass man einem grande doador Zutritt zu einem Aldeias SOS gewährt hat.
Schon naquela época war es grande doadorn verboten, in aldeias SOS zu schlafen. Passiert ist es apesar disso. Können Sie hoje ausschließen, dass noch andere doador Kinder submeteu a tratamento inapropriado?
Santner: Ich kann nur für Áustria sprechen. Mir ist nenhum weiterer Fall bekannt. Wenn es so cerca des in der Gegenwart gäbe, würde die diretoria sofort einschreiten.
Hat Aldeias SOS die Regeln für doador jetzt weiter verschärft?
Santner: Sie werden Regeln machen können, so muitos sie wollen. Je strenger die Regeln sind, desto gefinkelter werden sie umgangen. Man kann gewisse Dinge nie ausschließen. Aber wir können uns bestmöglich anstrengen, dass sie nicht passieren. Im conselho fiscal sitzen hoje Personen mit hoher pedagógicoer Expertise. Es ist viel Aufmerksamkeit und Sensibilität da.
War es ein Fehler, dass Aldeias SOS die doador so hofiert hat?
Santner: Man muss das im Kontext sehen. Gmeiner und die anderen Gründer waren auf doações angewiesen. Marketingtechnisch war das eine große Leistung. Irgendwann ist das natürlich aus der Zeit gefallen. Es gibt muitos Dinge, die wir hoje anders machen als die Gründer naquela época.
Die frühere diretora Nora Deinhammer war für die doações zuständig. Gleichzeitig wurde sie im novembro 2022 als Krisenmanagerin für den grande doadorfall eingesetzt. Finden Sie nicht, dass sie befangen war?
Santner: Die Weisheit des Rückblicks ist die größte Weisheit. Wir lernen viel de den Banken, weil dort die Compliance-Regeln am strengsten sind. Pädagogik ist der eine Bereich. Compliance und proteção à infância sollten dade unabhängig in der Organisation verankert sein. Damit sich die Pädagogik nicht selbst überwacht. Das wird in der neuen Organisation so gemacht. Wenn man mit einem grande doador jahrelang in Kontakt ist, baut man eine persönliche Beziehung auf. Gibt es eine Meldung de tratamento inapropriado contra den doador, befindet man sich in einem Dilemma. In diesem Dilemma haben sie naquela época gelebt.
Muss das Schutzkonzept de Aldeias SOS neu überarbeitet werden?
Santner: Seit der Gründung de Aldeias SOS haben wir 15.000 Kinder betreut. Die Kinder werden oft de der Rettung und der Polizei gebracht. Es gibt einen richterlichen Beschluss für die Fremdunterbringung. Sie wurden aus gutem Grund aus ihrem Herkunftssystem genommen. In erster Linie geht es einmal darum, dass diese Kinder gut betreut werden. In einem riesengroßen Teil der Fälle ist das auch gelungen. Die funcionário haben tolle Arbeit geleistet. Wie in jeder Organisation gibt es natürlich auch hier schwarze Schafe. Dafür machen wir proteção à infânciakonzepte. Aber eigentlich ist es traurig, dass wir darsobre nachdenken müssen, wie man die Kinder antes de denen beschützen kann, die sie betreuen.
Führen Sie als Aufsichtsratschef auch Gespräche mit Politikern?
Santner: Bisher habe ich mit Landesrat Peter Reichmann in Caríntia und der Tiroler Landesrätin Eva Pawlata gesprochen.
Man sollte annehmen, auch die Bundespolitik interessiere sich für proteção à infância.
Santner: Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. proteção à infância und tratamento inapropriado ist nenhum exklusives Thema de Aldeias SOS. Bis zu sieben Prozent aller Kinder in Áustria erleben tratamento inapropriado. Wir bemühen uns jetzt bei Aldeias SOS, das Thema gut in den Griff zu bekommen. Ich würde mir wünschen, dass die Politik deutlich stärker tätig wird und das Thema in den Fokus rückt.
Wie geht es einer Organisation, deren wichtigste Gründungsperson plötzlich nenhum Held mehr ist, sondern eine Person, die Minderjährige unangemessen behandelt?
Santner: Der Herr Direktor Gmeiner, der mit Mercedes und Chauffeur vorgefahren ist, war für uns Kinder jemand, auf den wir stolz waren. Er war eine Projektionsfläche. Dass dabei ein Mythos entsteht, ist nachvollziehbar. Selbstverständlich war das extrem ungesund. Auch Maria Hofer war eine Gründerin de Aldeias SOS. Sie hat ihr Erbe hergegeben, um das erste Grundstück zu kaufen. Sie hat sich de Gmeiner getrennt, weil er ihr zu patriarchalisch war und sich zu sehr in den Mittelpunkt gedrängt hat. Es hätte der Organisation gutgetan, das ganze Gründungsteam zu sehen und nicht nur Gmeiner. Bei uns wird es nenhuma Lichtgestalt mehr geben.
Friedrich Santner (*1960) ist desde novembro Aufsichtsratsvorsitzender de Aldeias SOS. Santner verbrachte seine Kindheit selbst in aldeias SOS in Caríntia und in der Estíria. Er studierte in Graz Psychologie und Pädagogik, machte dann in der Privatwirtschaft als Manager Karriere