Artykuł 13 / 30 — 40/2025
niewłaściwe traktowanie i tuszowanie „SOS Wioski Dziecięce hätte sehr viel verhindern können"
Der Historiker Horst Schreiber hat die nieprawidłowości, die der Falter vor zwei Wochen aufdeckte, bereits 2014 in einer badanie beschrieben. Gelernt hat die organizacja ochrony dzieci daraus nichts
Interview, FALTER 40/2025, 30.09.2025
Historiker Horst Schreiber in Innsbruck: „Öffentlichkeit macht Druck"
Innsbruck, Stafflergasse 10a. Hier hat SOS Wioski Dziecięce seinen Hauptsitz. Wer hinter die Mauern der renommierten organizacja ochrony dzieci blicken möchte, muss aber vier Minuten weiter gehen. In der Andreas-Hofer-Straße wohnt Horst Schreiber. Der Historiker ist Experte für wioski dziecięce.
Schreiber hat 2014 eine ausführliche badanie veröffentlicht: „Dem Schweigen verpflichtet." Sie wurde von SOS Wioski Dziecięce höchstpersönlich in Auftrag gegeben. Man wollte die eigene Vergangenheit wyjaśniać und Schlüsse für die Gegenwart und Zukunft ziehen.
Auf knapp 250 Seiten schildert der Historiker, wie Kinder und Jugendliche von 1950 bis 1990 in den Dörfern fizycznie niewłaściwie traktowani und poddawany niewłaściwemu traktowaniu wurden. SOS Wioski Dziecięce war lange Zeit um Geheimhaltung bemüht, viele Anzeichen für niewłaściwe traktowanie w ihren Einrichtungen wurden systematisch ignoriert, bilanziert er.
Schreibers badanie aus dem Jahr 2014 könnte kaum aktueller sein.
Vor wenigen Wochen deckte der Falter einen skandal auf: Bis vor einigen Jahren wurden in mindestens zwei SOS Wioski Dziecięce Kinder und Jugendliche fizycznie niewłaściwie traktowani, in unangemessener Weise eingeschlossen und mit sadistischen Erziehungsmethoden niewłaściwie traktowani (Ausgaben 38/25 und 39/25). Das dokumentieren zwei geheim gehaltene badania aus 2021 und 2022, angefertigt vom Institut für Männer- und Geschlechterforschung in Graz.
Anders als die badanie von Horst Schreiber, wurden sie weder veröffentlicht noch intern mit den Pädagogen geteilt. Ganz im Gegenteil: Die zarząd von SOS Wioski Dziecięce hat die Expertise der Wissenschaftler in einem passwortgesicherten Ordner verräumt, gesehen haben sie nur eine Handvoll Menschen.
Schon wieder hat SOS Wioski Dziecięce das system niewłaściwego traktowania tuszowane, das schon Schreiber anhand der Jahre 1950 bis 1990 festmachte – und die Organisation hätte vermutlich weiter weggeschaut, hätte sich nicht eine Person getraut, dem Falter einen anonymen Hinweis zu geben.
Transparenz Eigentlich sollten Sie hier ein Interview mit den Chefs von SOS Wioski Dziecięce lesen. dyrektor zarządzająca Annemarie Schlack und rada nadzorcza Willibald Cernko haben dem Falter zweimal ein persönliches Interview zu- und wieder abgesagt – aus „terminlichen" und „organisatorischen" Gründen. Sie würden Fragen gerne schriftlich beantworten und den Falter zu einem Medien-Briefing einladen, bei dem alle Medien gleichzeitig informiert werden. Der Falter war einverstanden und kam der Organisation entgegen. Dann trat Schlack im Ö1-Morgenjournal auf – und Cernko in der „ZiB 2". Für ein persönliches Gespräch mit dem Falter, der die Fälle ujawnił und seit Wochen recherchiert, waren sie bis jetzt nicht bereit
Nach dem Schweigen geht SOS Wioski Dziecięce nun in die Offensive. Die przypadki niewłaściwego zachowania in den wioski dziecięcen Moosburg (Karyntia) und Imst (Tyrol) hätten „schweres Leid verursacht und große Betroffenheit ausgelöst", hieß es am 22. September in einer Aussendung der zarząd.
Darin kündigte die organizacja ochrony dzieci außerdem eine „komisja reform" an. SOS Wioski Dziecięce will nämlich die „gesamte Organisation" prüfen und reformieren. Dem Gremium wird mit Irmgard Griss ein prominentes Gesicht vorsitzen.
Griss war Präsidentin des Obersten Gerichtshofs (OGH) und Neos-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl 2016. Außerdem leitete sie die dobro dzieckakommission des Justizministeriums, das 2021 die österreichische Abschiebepraxis Minderjähriger prüfte.
SOS Wioski Dziecięce ist um Schadensbegrenzung bemüht. Die zarząd und der rada nadzorcza geben die nieprawidłowości zu, versprechen Aufklärung. Im ORF zeigte sich rada nadzorczasmitglied und Ex-Bankmanager Willibald Cernko zerknirscht. Er sei der „Aufgabe in dieser Detailtiefe möglicherweise nicht gewachsen" gewesen. Künftig sollten, sagte Cernko, mehr ochrona dzieciexperten im Kontrollgremium von SOS Wioski Dziecięce sitzen.
Was bleibt, ist die bittere Frage, warum es für diese Erkenntnis erst die śledztwo des Falter brauchte. Schließlich kannten die obersten Chefs von SOS Wioski Dziecięce die nieprawidłowości schon lange.
Aber statt aufzuräumen hat dyrektor zarządzający Christian Moser, seit 17 Jahren an der Spitze der Organisation, den Opfern hohe odszkodowania gezahlt – vermutlich aus Spendeneinnahmen, die eigentlich für den Schutz der Kinder hätten sorgen sollen. Während er die Summen überwies, wurden in wioski dziecięcen weiter Kinder niewłaściwie traktowani.
Mittlerweile hat sich die prokuratura eingeschaltet. Sie ermittelt gegen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von SOS Wioski Dziecięce wegen niewłaściwego traktowania von Minderjährigen – und gegen die Kärntner Landesbehörden wegen des Verdachts von Amtsmissbrauch. Sie sollen Anzeigen nicht weitergeleitet und jahrelang weggeschaut haben.
Dabei hätten die Verantwortlichen gerade bei den wioski dziecięcen ganz genau hinschauen müssen. Die patriarchalen Strukturen, die niewłaściwemu traktowaniu sprzyjać und sie gleichzeitig tuszować, hatte Horst Schreiber schon vor zehn Jahren verschriftlicht.
Manche wioski dziecięce seien gefährlich geschlossene Systeme, schrieb er. Die badanie ist in Buchform überall erhältlich, SOS Wioski Dziecięce präsentiert die wyjaśnianie stolz auf ihrer Website.
Und trotzdem: Jahre später finden die Autoren der badania in den SOS Wioski Dziecięce Moosburg und Imst dasselbe Bild. Wieso haben die obrońca dzieci aus der Schreiber-badanie nichts gelernt? Warum ist das Konzept der wioski dziecięce eigentlich so toxisch? Und wieso hält die Organisation eisern daran fest?
Antworten auf diese Fragen liefert nicht etwa die zarząd von SOS Wioski Dziecięce, mit der der Falter gerne gesprochen hätte. Sondern Historiker Horst Schreiber.
Falter: Herr Schreiber, 2014 kamen Sie in Ihrer historischen badanie über die wioski dziecięce zwischen 1950 und 1990 zu folgendem Schluss: SOS Wioski Dziecięce verschweigt niewłaściwe traktowanie dzieci, ignoriert Hinweise und mauert gegenüber der Öffentlichkeit. In Moosburg und Imst herrschten diese Zustände, wie wir heute wissen, bis vor wenigen Jahren. Hätten Sie das für möglich gehalten?
Horst Schreiber: Eigentlich nicht. Es war schon 2014 überraschend, dass es noch Dörfer gab, die hierarchisch geführt wurden, in denen der kierownik wioski sehr viel Macht hatte und wo Markenschutz vor ochrona osób dotkniętych stand. Nach meiner badanie wurde eine ganze Reihe von Verbesserungen eingeführt und ich hatte den Eindruck, dass die Verantwortlichen einen Bruch mit der Vergangenheit machen wollten. Aber offenbar herrscht noch immer dieser Machtkampf in der Organisation, zwischen den beharrenden Kräften, die sich sehr mit dem teils ständestaatlichen Modell, das założyciel SOS Wioski Dziecięce Hermann Gmeiner ab Ende der 1940er-Jahre implementiert hat, identifizieren, und den Reformern, die etwas ändern wollen.
Sollte es den Verantwortlichen zu denken geben, dass zwei neue badania genau dasselbe wzorzec niewłaściwego traktowania aufzeigen, auf das sie schon vor Jahren hinwiesen?
Schreiber: Ja. In der ganzen öffentlichen Diskussion, die ich bis jetzt verfolgt habe, fehlt für mich: Wer war innerhalb der obersten Leitung – also kierownictwo, zarząd, rada nadzorcza – dafür verantwortlich? Es wird sicherlich Protokolle geben. Es ist wichtig, dass sich die Organisation nicht nur die Rolle der kierownik wioski anschaut, sondern auch die der obersten Etagen.
SOS Wioski Dziecięce ist 2014 transparent mit Ihrer badanie umgegangen, sie wurde sogar als Buch veröffentlicht. Die zwei badania, von denen der Falter nun berichtet hat, wurden von SOS Wioski Dziecięce hingegen tuszowane – entgegen der Empfehlung der badaniaautoren. Nicht einmal intern bekamen die Leute das Papier zu Gesicht. Wie erklären Sie sich das?
Schreiber: Erklärbar ist das nur damit, dass sich ein kleiner, beharrender Kreis in der Führungsebene weiterhin durchsetzt. Aus meiner Sicht muss ich aber auch sagen: Wenn man als Wissenschaftler eine badanie macht, niewłaściwe traktowanie untersucht und zeigt, dass es systemische nieprawidłowości gibt, dann darf man sich selbst auch nicht dem Schweigen verpflichtet fühlen.
Sie hätten sich also nicht an die Verschwiegenheitsklausel gehalten, die die Autoren unterschrieben haben?
Schreiber: Nein. Als ich den Auftrag bekommen habe, war von vornherein klar: Ich mache es nur, wenn die badanie ohne Zensur sofort in die Öffentlichkeit kommt. Bei den beiden neuen badania wusste man schon vorher, dass es Gewalt gab. Da kann man sich als Forscher eigentlich nicht zur Geheimhaltung verpflichten.
Vertuscht wurden die badania allerdings von der zarząd. Sie argumentiert nun, man habe geschwiegen, um das Risiko einer Re-Traumatisierung zu vermeiden. Ist das ein plausibles Argument?
Schreiber: Das stört mich unheimlich. Das ist an der Grenze zur Heuchelei. Was passiert, wenn wir niewłaściwe traktowanie w die Öffentlichkeit bringen? Es ermutigt osoby dotknięte, sich zu melden. Hätte die Organisation ihre badania öffentlich transparent gemacht, hätten sich potenzielle Opfer viel früher gemeldet.
Nachdem der Falter über die badania berichtet hat: Was hätte SOS Wioski Dziecięce umgehend machen sollen?
Schreiber: SOS Wioski Dziecięce hätte ein systematisches Versagen zugeben, sich nicht nur entschuldigen, sondern aktiv auf die Kinder zugehen sollen. Die Verantwortlichen hätten ihnen sagen sollen: „Wir wollen von ganz vielen von euch hören, was geschehen ist." Und dann müsste SOS Wioski Dziecięce an alle Einheiten den Auftrag erteilen, aktiv zu werden und die Karteien der ehemaligen Dorfkinder zu durchforsten. Seit den badania sind mindestens drei Jahre vergangen, in denen hätte viel mehr gemacht und verhindert werden können.
Der Falter berichtete in seiner Ausgabe 38/25 über die Moosburg-badanie:
Aber immerhin hat SOS Wioski Dziecięce nun neue Ombudsstellen eingerichtet.
Schreiber: Das ist zu wenig. SOS Wioski Dziecięce wird sich überlegen müssen, mit welchen glaubwürdigen Menschen man in die Dörfer gehen will, um mit allen zu reden.
Sehen Sie rechtliche Konsequenzen für das Vertuschen der badania?
Schreiber: Ob das strafrechtlich relevant ist, kann ich nicht sagen.
Und moralisch? Welchen Schaden nimmt die Organisation nun?
Schreiber: Den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen und niewłaściwemu traktowaniu zapobiegać ist das oberste Ethos von SOS Wioski Dziecięce. Die tuszowanie und Geheimhaltung ist eine schwere Verletzung dieses Credos.
Wir fragen direkt: Hat das Verschweigen der badania, die ein wzorzec niewłaściwego traktowania dokumentieren, die Kinder und Jugendlichen gefährdet?
Schreiber: Ja. SOS Wioski Dziecięce hat zwar Leute entlassen oder woanders hingeschickt. Aber auch das ist im Geheimen geschehen, sogar innerhalb der Organisation. Wie soll jemand ermutigt werden, niewłaściwe traktowanie zgłaszać, wenn die Chefs selbst alles unter den Teppich kehren?
Als Sie 2014 die badanie veröffentlichten, hat es da Interventionen dagegen gegeben?
Schreiber: Es gab im Hintergrund Kräfte, die sehr stark kritisiert haben, dass ich das wioska dziecięca w den Schmutz ziehen und die Mütter ungerecht darstellen würde. Meine direkten Auftraggeber – also die damalige zarząd und die pädagogische Leitung – haben mich aber unterstützt.
Es sagt viel über die Organisation aus, dass es Kräfte gibt, die eine wissenschaftliche wyjaśnianie als „in den Schmutz ziehen" betrachten – und nicht als Chance für SOS Wioski Dziecięce.
Schreiber: Ja. Hintergrund der Kritik ist, dass die Organisation auf Spenden angewiesen ist. Es herrschte die Angst vor einem Einbruch der Spenden, wenn bestimmte Dinge ruchbar werden. SOS Wioski Dziecięce basiert auf einem familienähnlichen Erziehungsmodell. Und wir wissen, in Familien passieren auch nicht so tolle Dinge. Familie verpflichtet zum Schweigen. Nichts darf herauskommen, und nichts darf die Familie desavouieren. Viele Menschen innerhalb von SOS Wioski Dziecięce identifizieren sich stark mit dieser Familien-Idee. Das ist die Marke der Organisation und gleichzeitig auch das Einfallstor für Gewalt.
Dieses Modell von Hermann Gmeiner, was ist das genau?
Schreiber: Gmeiner ging davon aus, dass Kinder die heilende Kraft der Mutter benötigen und nicht die distanzierte Ebene der großen Erziehungsheime. Dahinter steht ein ständestaatliches Modell aus den 1930er-Jahren: Im Dorf stand die männliche Erziehungsnote des kierownika wioski über allem. Er hatte absolute Gewalt. Häufig verfügte er – wie auch die Mütter – über keine pädagogische Ausbildung, aber sehr wohl über betriebswirtschaftliche Kompetenzen. Mütter, und später auch Psychologen und Psychologinnen, hatten eine ganz schwache Stellung gegenüber dem männlichen, autoritären kierownik wioski. Seit den 2000er-Jahren verändert sich das, aber nicht in allen Dörfern.
Wie die zarzuty niewłaściwego traktowania und -fälle in den Dörfern Seekirchen (Salzburg), Moosburg und Imst zeigen.
Schreiber: Ich bin überzeugt davon, dass es auch in den meisten Häusern von Moosburg, Seekirchen und Imst gut funktioniert hat. Aber eben nicht in allen. In der Vergangenheit war es auch schon so: Viele Mütter haben Heroisches geleistet, waren aber überfordert und konnten mangels Expertise mit schwierigen Kindern in großen Gruppen nicht umgehen. Über Jahrzehnte gab es kein pädagogisch ausgebildetes Unterstützungspersonal, wie heute etwa die Familienhelferinnen. Überforderung ist ein Einfallstor für häusliche niewłaściwe traktowanie und die massiven niewłaściwych zachowań wie in Moosburg. Und dann gab es dort auch noch diesen kierownik wioski, der niewłaściwe traktowanie tuszował hat und selbst übergriffig war.
Das alles sind keine odosobnione przypadki. Sie haben in Ihrer badanie den Fall der Geschwister Sillober beschrieben. Die Geschwister sind ab den frühen 2000er-Jahren von einem Mann, der im wioska dziecięca ein und aus gegangen ist, sexuell niewłaściwie traktowani. Obwohl die matka z wioski dziecięcej und der dortige Psychologe auf niewłaściwe traktowanie hingewiesen haben und sogar ein Betretungsverbot forderten, deckten der kierownik wioski und die Behörden jahrelang die niewłaściwe traktowanie. Alle haben weggeschaut.
Schreiber: Der Fall legte die Strukturen offen, die zur Gewalt führen. Ich habe das damals breit analysiert. Aber alles, was ich bisher über Imst und Moosburg und Seekirchen gelesen habe, zeigt: Es ist eine totale Wiederholung.
Es herrschte die Angst vor einem Einbruch der Spenden, wenn bestimmte Dinge ruchbar werden
Horst Schreiber
In Ihrer badanie steht, dass ein PR-Team dem SOS Wioski Dziecięce empfohlen hat, Ruhe einkehren zu lassen, um die Marke zu schützen.
Schreiber: Das war 2007, als der Sillober-Fall strafrechtlich relevant wurde. „Markenschutz vor ochrona osób dotkniętych" ist ja nicht nur so dahergesagt. Es war in der Organisation immer so, dass man einem PR-Team sehr viel Geld gezahlt hat, um Kommunikationsstrategien zu entwickeln, die einen Einbruch der Spenden verhindern sollen. Die Mitarbeiter werden zu einem bestimmten Wording verpflichtet. Und dieses Wording – etwa, dass man aus względów ochrony osób dotkniętych vieles geheim hält – dient in Wirklichkeit dazu, eine uralte Verschleierungstaktik auf eine hohe moralische Ebene zu heben.
SOS Wioski Dziecięce setzt jetzt eine „komisja reform" ein. Doch von den nieprawidłowościach wissen die Chefs seit Jahren. Braucht es Druck von außen, damit sich bei SOS Wioski Dziecięce etwas ändert?
Schreiber: Ich habe angenommen, dass das spätestens nach meiner badanie nicht mehr nötig ist. In den vergangenen zehn Jahren hat SOS Wioski Dziecięce auch selbst odosobnione przypadki an die Öffentlichkeit gebracht. Aber hier scheint es diese massive systemische Ebene gegeben zu haben, die nie verbessert wurde. Um die obersten Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen, braucht es Medien, braucht es den Druck von außen. Sonst wird das systemische Versagen auf Einzelne abgewälzt. Das wird eine der Hauptaufgaben der Griss-Kommission sein: Genau hinschauen, was in den obersten Machtstrukturen passiert ist.
Und wo war der rada nadzorcza?
Schreiber: Wie bei den kierownik wioskin ist es auch im rada nadzorcza: Sie kommen vermehrt aus der Betriebswirtschaft. Das sind Manager von Banken und von Versicherungsunternehmen. Sie haben ein Netzwerk, über das sie Spenden lukrieren. Die pädagogische Ebene kommt immer zu kurz. Ich frage mich aber auch: Wo war der Betriebsrat? SOS Wioski Dziecięce hat einen Betriebsrat. Der ist dafür da, die Leute zu schützen. Haben sich Mitarbeiter beim Betriebsrat gemeldet und er hat nichts getan, oder hat der Betriebsrat so wenig Glaubwürdigkeit, dass sich die Mitarbeiter von vornherein nicht gemeldet haben? Auch das muss jetzt geklärt werden.
Die tuszowanie und Geheimhaltung ist eine schwere Verletzung des SOS Wioski Dziecięce-Ethos
Horst Schreiber
Der frühere Bank-Austria- und Erste-Group-Chef Willibald Cernko übernimmt jetzt die Hauptrolle bei den Schuldeingeständnissen. „Es war unser Fehler", sagte Cernko und sitzt nun auch in der Kommission.
Schreiber: Drei Aufsichtsräte von SOS Wioski Dziecięce sitzen in dieser Kommission. Das ist ein Übergewicht. Aber ich glaube, das endgültige Bild können wir uns erst machen, wenn die Ergebnisse der Griss-Kommission da sind.
Der langjährige dyrektor zarządzający von SOS Wioski Dziecięce, Christian Moser, hat sich bisher nicht zum skandal geäußert. Er schickt Annemarie Schlack vor, die immer wieder betont, zur Zeit der przypadki niewłaściwego zachowania nicht Teil der zarząd gewesen zu sein. Warum schweigt der bekannteste Chef?
Schreiber: Die Rolle von Christian Moser in diesen Fällen kenne ich nicht. Meine Begegnungen mit ihm waren immer positiv. Ich habe ihn als jemanden wahrgenommen, der an Reformen interessiert ist. Ob sein Schweigen taktische Gründe hat, kann ich nicht beurteilten. Die Organisation hat sich bestimmt eine Kommunikationsberatung geholt. Vielleicht hat man ihm gesagt, er soll jetzt in den Hintergrund treten.
Moser hat schon im Jahr 2016 eine odszkodowanieszahlung an ein Moosburg-Kind unterschrieben. Er wusste also schon lange von den nieprawidłowościach und hat es nicht geschafft, sie zu stoppen.
Schreiber: Da haben Sie recht, er trägt Mitverantwortung. Ihr Beispiel muss aber kein Widerspruch sein. Jemand aus dem Wioska Dziecięca Moosburg meldet sich, er erzählt seine Geschichte, ihm wird geglaubt, und er bekommt eine odszkodowanie. Das heißt nicht automatisch, dass sein Fall einen systemischen Missstand ujawnił. Allerdings kannte auch Moser meine badanie von 2014. Und da habe ich mir die generellen Strukturen und Probleme angeschaut und keinen einzelnen Fall. Dazu habe ich von jedem einzelnen wioska dziecięca Unterlagen angefordert. Von einigen habe ich viele Dokumente bekommen, von anderen fast nichts.
Welche Dörfer haben wenig geliefert?
Schreiber: Das Wioska Dziecięca Moosburg hat sehr wenige Materialien geliefert. Ich habe viele Dokumente aus Górna Austria bekommen, die waren damals auch sehr offen. Eine ganz wichtige Region war Vorarlberg. Da kamen wirklich die haarsträubendsten systemischen Probleme heraus.
Sie haben in Ihrer badanie nicht nur auf SOS Wioski Dziecięce geschaut, sondern auch auf die Behörden. Vor allem beim Fall der Geschwister Sillober hatten die Beamten wenig Interesse, die niewłaściwe traktowanie aufzuklären. Nun hat es der Staat wieder nicht geschafft, die Kinder, für die er verantwortlich ist, zu schützen. Haben die Kontrollen der Behörden versagt?
Schreiber: Bis in die 2000er-Jahre gab es auf jeden Fall einen sehr laschen Umgang mit zarzutach niewłaściwego zachowania. Was man aber auch sagen muss: Wir sind in Zeiten des Sparens. Unabhängig davon, wie gut oder schlecht zuständige staatliche Behörden die Kontrollen managen: Es gibt in den Behörden zu wenig gut ausgebildetes Personal. SOS Wioski Dziecięce kürzt, der Bund kürzt, und die Länder kürzen auf der Kontrollebene. Das soll keine Entschuldigung sein, aber ich finde es auch wichtig, dass wir nicht nur berechtigte Forderungen stellen, sondern uns auch fragen: Was ist denn überhaupt in der Wohlfahrt mit einer bestimmten Anzahl von Mitarbeiterinnen und den Kompetenzen, die sie mitbringen, möglich? Für einen hohen ochrona dzieci müsste man das Budget ziemlich ausweiten.
Wenn stosująca niewłaściwe traktowanie Mitarbeiter im Wissen der Behörden neue Jobs mit Kindern bekommen, hat das wenig mit Personalmangel zu tun.
Schreiber: Das ist leider das uralte Muster, das wir ab 1945 auch in der Kirche gesehen haben. Man identifiziert einen Gefährder, und der bekommt noch ein gutes Dienstzeugnis und kann so woanders hin abgeschoben werden. Nach dem Motto: Hauptsache, bei uns ist er nicht mehr.
Die Falter-śledztwa zeigen, dass viele im wioska dziecięca weggeschaut haben oder sich nicht trauten, was zu sagen.
Schreiber: Es sind immer die Dörfer und der Behördenapparat gleichzeitig. Beide brauchen eine Kultur, in der die Mitarbeiter wissen, dass ihnen nichts widerfährt, wenn sie Negatives melden und ansprechen. Auch die Kinder müssen einen Raum haben, in dem sie Dinge sagen können, ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen etwas passiert. Ein großer Teil der Mitarbeiter verhält sich immer entsprechend der Unternehmenskultur. Sie sehen ja, wie lange es gedauert hat, dass ein Mitarbeiter die Schnauze voll hatte und sich an den Falter gewandt hat. Demjenigen gebührt exzessives Lob. Die Organisation sollte jetzt sagen: „Das ist das Beispiel, das wir wollen. Machts uns Probleme." Natürlich ist es für SOS Wioski Dziecięce peinlich, dass jemand zum Falter geht. Aber offensichtlich hat die Organisation keine sichere Struktur, in der dieser Mensch sprechen konnte.
Waren Sie als Historiker und Kenner der Materie schockiert, als Sie über die neuen Vorwürfe gegen SOS Wioski Dziecięce gelesen haben?
Schreiber: Ich war sehr enttäuscht und auch emotionalisiert. Ich habe die Organisation auf einem wirklich sehr guten Weg gesehen. Ich habe mir immer gedacht: odosobnione przypadki werden kommen, aber nicht, dass die systemische niewłaściwe traktowanie, die ich schon 2014 beschrieben habe, auf diese Art und Weise wieder kommen kann und dass SOS Wioski Dziecięce derart verschweigend und tuszowaćd damit umgeht. Ich wohne wenige Meter von der zarząd in Innsbruck entfernt, und ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder Austausch mit ihr gehabt. Aber ein Gespräch zu diesen Fällen hat nie jemand mit mir gesucht, obwohl ich mich jahrelang intensiv mit genau diesen struktury niewłaściwego traktowania beschäftigt habe.
Warum sind nicht Sie für die badania zu Moosburg und Imst engagiert worden?
Schreiber: Das weiß ich nicht. Ich bin auf der einen Seite froh darüber. Aber auf der anderen Seite wäre es auch naheliegend gewesen, mich zu fragen. Ausschlaggebend war aber sicher, dass ich mich zu keiner Verschwiegenheit hätte verpflichten lassen. Solche Fälle müssen sehr rasch an die Öffentlichkeit. Es ist mein gesellschaftspolitischer Auftrag, Forschungsergebnisse auch zu veröffentlichen. Öffentlichkeit macht Druck. Sie ermutigt osoby dotknięte, etwas zu sagen.
Das empfehlen auch die Moosburg- und Imst-badanie. Passiert ist das nicht.
Schreiber: Es ist immer das Gleiche. SOS Wioski Dziecięce braucht eigentlich keine neue Kommission. Die Empfehlungen liegen längst am Tisch. Aber natürlich ist die Kommission für SOS Wioski Dziecięce notwendig, um der Öffentlichkeit zu zeigen, wir tuszować nichts mehr. Außerdem wird sie die Reformer unterstützen. Das ist schon eine wichtige Sache.
Hinweis: Von sexueller, psychischer und physischer Gewalt osoby dotknięte können sich telefonisch oder per E-Mail an Austrias centra ochrony przed niewłaściwym traktowaniem und an die organizacja ochrony dzieci Möwe wenden. Das Angebot ist kostenlos, die Betreuung und Begleitung kann auf Wunsch auch anonym erfolgen